Geschichte des Ortes

Zeitliche Daten-Aufreihung zur Geschichte des Ortes

S E I F E R T S H A U S E N

und zum Einzug des Christentums in Hessen


von Daniel Bingemann, ehemaliger Stadtarchivar
wohnte in Braach (verstorben 1986)

Kurzes Vorwort des Verfassers:

Diese kurze Chronologie wird erstellt zum Überblick der Ortsgeschichte des heutigen Stadtteils Seifertshausen im Haselgrund. Eine Vollständigkeit ist nicht gegeben und wurde auch nicht angestrebt. Die Zahlen sollen lediglich als Gedächtnisstütze bei den Vorträgen des Autors im Februar 1981 in Seifertshausen dienen.
Wir beginnen mit dem Jahre 0, dem Geburtsjahr Christi. Selbstveständlich haben in unserem Betrachtungsgebiet Jahrtausende vorher schon Menschen gelebt. Ihre Spuren lassen sich verfolgen in den zutagetretenden Waffen und Werkzeugen aus der Stein-, Bronce- und der Eisenzeit. Auch in der Nähe von Seifertshausen wurden im Laufe der Zeit solche Funde gemacht, auf die aber erst später eingegangen werden kann.

0 Zur Zeit Christi Geburt waren die Römer schon bis Norddeutschland vorgedrungen. Ebenso hielten sie zu der Zeit Palästina besetzt.
9 wurden sie im Teutoburger Wald von Arminius besiegt und mußten bis an den Rhein zurückweichen.
31 Saulus wird bekehrt und unternimmt als Apostel Paulus Missionsreisen nach Kleinasien und Griechenland.
61 wirkt er zusammen mit Petrus in Rom für das Christentum. Im Zuge der Christenverfolgung läßt Kaiser Nero im Jahre
64 Petrus und Paulus umbringen.
70 wird Jerusalem zerstört. Damit endet die jüdisch-christliche Religion. Die Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes beginnen mit dem Schreiben ihrer Evangelien. (In 95 beendet)
84 Der römische Kaiser Domitian unterwirft Britannien und läßt gleichzeitig in Germanien den Grenzwall (Limes) bauen.
300 entwickelt sich die römisch-katholische Kirche aus der Schar der sogenannten heidnischen Christen.
303 war die letzte Christenverfolgung unter Kaiser Diocletian, aber
313 gab es schon ein Toleranz-Edikt in Mailand, das zu besserem Nebeneinander führte.
325 wurde über dem Petrusgrab in Rom die Peterskirche erbaut.
350 wurde das Weihnachtsfest auf den 25. Dezember, gelegt.
452 bewegte Papst Leo I. den Hunnenkönig Attila zum Abzug aus Italien.
Unser heutiges Nordhessen war mit Zentrum bei Gudensberg, Maden und Fritzlar von dem Germanenstamm der Chatten besiedelt. Im Norden waren die Sachsen, in Osten die Hermunduren (Thüringer) und im Süden und Westen die Franken. Die Franken durchsiedelten das Chattengebiet. Der Name der Chatten wandelte sich bis
455 in den Namen Hessen um.
496 trat der Frankenkönig Chlodwig mit seinen viel tausend Mannen zum Christentum über. Dadurch kamen auch schon die ersten Christen nach Hessen.
650 Um diese Zeit gesellten sich zur fränkischen Kirche iro-schottische Mönche um zu missionieren. Ihre Tätigkeit blieb aber auf reine Wandermission beschränkt, die kaum Spuren hinterließ.
721 kam Bonifatius, der Mönch Winfried aus dem englischen Kloster Nursling, um in Hessen zu missionieren.
723 nimmt ihn Karl Martell auf Empfehlung des Papstes in seinen weltlichen Schutz.
732 wird Bonifatius zum Erzbischof geweiht.
736 schickt er seinen Schüler Sturm nach Hersfeld um eine Klostrzelle zu bauen. Wegen der Nähe der heidnischen Sachsen allerdings zieht Sturm weiter nach Fulda und gründet hier
744 das Kloster.
752 erweist sich diese Vorsicht als richtig, denn die Sachsen dringen in Hessen ein und zerstören ca. 30 Kirchen. Im gleichen Jahr wird sein Schüler Lul von Bonifatius zum Chorbischof geweiht.
768 beginnt Lul in Hersfeld das Kloster endgültig zu begründen. Dabei wird auch etwas über unsere Gegend festgehalten. Die Orte Braach, Breitingen, Bebra, Heinebach und Lispenhausen werden in dem Güterverzeichnis des Lul unter den Orten aufgeführt, die dem Kloster vor seiner Erbauung bereits übereignet wurden.
775 nimmt Karl der Große das Kloster in seinen Schutz und macht es zur Reichsabtei. Mit dem Kloster in Hersfeld wird die kirchliche Organisation in unserem Bereich stärker ausgebaut. Braach wird Erzpriestersitz und sein Bereichweit über die späteren Kreisgrenzen hinaus mit dem Erzdiakonat St.Peter in Fritzlar unterstellt, das wiederum dem Erzbischofssitz in Mainz untersteht.
1038 brennt das Kloster in Hersfeld ab und mit ihm werden alle Traditionen vernichtet. Viele Urkunden gehen verloren. So kommt es, daß
1259 erstmals etwas über den Ort Seifertshausen bekannt wird. Der erste Pleban (Leutepriester) im Gegensatz zu einem Ordensgeistlichen, wird genannt und das bekundet, daß in Seifertshausen bereits eine Taufkirche steht.
1984 kann also Seifertshausen seine 725-jährige Ersterwähnung feiern.
1259 Sibrachtishusen nennt man den Ort damals und
1273 sagt man Sibrachtshusen. Der Name ist sicher auf seinen Begründer zurückzuführen, der den Namen Sibracht oder Sibrecht führte und ein Franke war, da alle Ortsnamen mit der Endung -hausen auf fränkischen Ursprung hinweisen und in der Zeit des 8. und 9. Jahrhunderts datiert werden.
Im 13. Jahrhundert hat schon das Kloster Kornberg in Seifertshausen Güter zu eigen.
1312 schreibt man Sibrechtshusen. In dem Dorf besteht schon ein Gerichtsstuhl innerhalb des Amtes Rotenburg.
1350 gehören die Orte Dankerode, Erkshausen, Schwarzenhasel, Ober- und Niedergude zu dem Gericht.
1374 versetzte Landgraf Hermann II. das Dorf an Helmerich und Hermann v.Baumbach in Bebra.
1409 schreibt man Sifirtshusen.
1410 gehört Seifertshausen nach dem Servitienregister mit seiner Kirche zum Erzpriestersitz in Braach.
1480 aus dieser Zeit soll der mehreckige Chor (spätgotisch) der Kirche stammen.
1502 gehören Ort und Gericht Seifertshausen zum Amt und Untergericht Rotenburg.
1504 sind 4 Buchsen, 6 Armbrüste und 9 Spieße in Seifertshausen gezählt worden.
1505 wird erwähnt, daß der Ort kirchlich bis zur Reformation noch nach Braach gehört.
1521 schreibt man Sibertshusen.
1526 wird der letzte Pleban (katholische Geistliche) genannt: Wiegand Schenk.
1538 sind 28 Wohnhäuser im Dorf.
1545 heißt der erste evangelische Pfarrer Hrch.Stubach.
1551 wird Pfarrer Johannes Ratz d.Ältere genannt. Als Filialen sind nur noch Dankerode und Erkshausen erwähnt.
1569 besteht in Seifertshausen noch der Gerichtsstuhl mit den Orten Dankerode, Erkshausen, Schwarzenhasel, Nieder- und Obergude.
1585 das gleiche noch, zum Amt Rotenburg gehörend. 46 Haushaltungen sind im Dorf.
1588 bis 1613 ist Pfarrer Hrch.Riehm oder Rehm im Kirchspiel tätig.
1627 hat das Dorf 39 Hausgesessene, nämlich 11 Bauern, 3 dörfliche Handwerker, 14 Kötner, 8 Witwen und 3 andere Berufe.
1638 ist Pfarrer Justus Wolfert in Seifertshausen.
1639 im 30-jährigen Krieg zählt man noch 8 Mann, 3 Witwen, 5 Kühe, 1 Pflug und 7 Acker über Winter bestelltes Land.
1654 sind 23 Häuser gezählt worden. Der Ort Güttels, der früher immer zu Erkshausen eingepfarrt war, wird wegen seiner schwierigen Wege vom Kirchenspiel Seifertshausen getrennt und kommt zur Rotenburger Neustadt.
1747 sind 64 Häuser in Seifertshausen.
1753 wird die Orgel in die Kirche gebaut.
1756 ist das Pfarrhaus gebaut worden.
1762 und 1765 beginnen die Kirchenbücher.
1780 gehört Seifertshausen mit den Orten Dankerode und Erkshausen kirchlich zur Klasse Rotenburg. In diesem Jahr baute Philipp Noll aus Rotenburg nach Vorlagen von Landbaumeister Jusow d.Ä. die Kirche in Seifertshausen neu.
1821 64 Häuser 366 Einwohner
1835 66 Häuser 431 evangelische und 1 katholischer Einwohner
1852 75 Häuser 507 Einwohner
1864 64 Häuser 477 Einwohner
1865
Das Vermögen der Pfarrei:
Kapital
Häuser und Gärten u. Äcker
Wiesen
Wald und Triesch
Klafterholz
Reisholz
2170 Rtl.
112 3/8 Acker
22 1/8 Acker
5 1/2 Acker
4 Klafter
3 Schock
Einnahmen: aus Kapital
der Wohnung
Gärten und Äcker
aus anderen Kassen
Accidenzien
aus kleinen Gefäll.
Anschl. d. Holzes
Gesamteinkommen
86 Rtl.
15 Rtl.
219 Rtl.

131 Rtl.
7 Rtl.
27 Rtl.
488 Rtl.

24 Sgr.

17 Sgr.
19 Sgr.
25 Sgr.
9 Sgr.
3 Sgr.
4 Sgr.

1871 410 Einwohner
1872 500 Einwohner (mit der weißen Mühle)
1880 405 Einwohner
1885 63 Häuser, 75 Haushaltungen, 354 Einwohner.
1890 335 Einwohner
1892 61 Häuser
1895 319 Einwohner